
Es ist noch ruhig in der ehemaligen Heilig-Kreuz-Kirche an der Lindenstraße. Wo früher Gottesdienste stattfanden, entsteht gerade etwas Neues: die künftige Heimat des „Theater der Keller“.
Die Klosterkirche Heilig Kreuz war über 120 Jahre lang geistliche Heimat für die Dominikaner und die Lück im Veedel: Hier wurden Paare getraut, Verstorbene verabschiedet, und Menschen in allen Lebensphasen begleitet. Jetzt wurden die Pläne vorgestellt, wie sich die ehemalige Kirche an der Lindenstraße verändern wird. Der Umbau für das Theater der Keller soll Fahrt aufnehmen und ein neuer Kulturort soll entstehen.
Auf dem Weg zur neuen Bühne
Das Theater der Keller ist Kölns ältestes Privattheater und seit 70 Jahren ohne dauerhaften Spielort. 1955 in einem Lindenthaler Luftschutzbunker gestartet, war es lange Zeit in der Südstadt zu Hause, zuletzt aber Untermieter der Tanzfaktur in Deutz. Mit dem Dasein als „Wandertheater“ ist nun bald Schluss, wie Ralph Elster, Vorsitzender des Trägervereins, freudig verkündete. Dank Fördermittelzusagen von Stadt, Landschaftsverband Rheinland (LVR), Land NRW und verschiedenen Stiftungen konnte das Architektenpaar Barbara und Walter Thiess mit dem Umbau des sakralen Raums an der Lindenstraße zur Theaterstätte beauftragt werden. Die Umsetzung kostet dem Verein zufolge fünf Millionen Euro und soll spätestens zur Spielzeit 2027/28 beendet sein.

Sakraler Charakter bleibt erhalten
Bevor überhaupt an dem besonderen Ort gebaut wird, stand erstmal eine genaue Analyse des Gebäudes im Fokus: Welche Strukturen bleiben erhalten? Wo kann etwas verändert werden, ohne den Charakter des Raumes zu verlieren? Klar ist zu diesem Zeitpunkt nur: Der sakrale Charakter soll erkennbar bleiben. Und genau das macht die Aufgabe so besonders ...

Raum neu denken
Die Planungen sehen vor, die Theaterbühne neu auszurichten und den Raum davor neu zu strukturieren, möglichst ohne die Geschichte des ehemaligen Gotteshauses zu überdecken. Die Sitzplätze wandern leicht ansteigend auf eine Art Tribüne – allerdings mit Blick in die umgekehrte Richtung. Im ehemaligen Altarbereich wird ein Proben- und Experimentierraum integriert. Schon jetzt laufen erste vorbereitende Arbeiten: Rückbau dort, wo alte Einbauten entfernt werden müssen, Sicherung sensibler Bereiche und die Einrichtung der Baustelle. Schritt für Schritt wird so der Raum für Veränderung freigelegt. Mit jedem entfernten Element wird deutlicher, wie viel Potenzial in dem Gebäude steckt.

Technik kommt ins Spiel
Im Hintergrund laufen derweil die Planungen für die technische Infrastruktur: Strom, Licht, Akustik – all das muss neu gedacht und in die bestehende Struktur integriert werden. Hier zeigt sich, wie anspruchsvoll dieser Umbau ist: Moderne Theatertechnik trifft auf historische Bausubstanz. Viele Maßnahmen werden später für das Publikum unsichtbar sein. Bis dieses seinen Platz im Mittelschiff der ehemaligen Klosterkirche nimmt, wird fleißig gearbeitet: Kabeltrassen entstehen, Anschlüsse werden vorbereitet, erste Elemente der Beleuchtung installiert. Vieles davon wird später unsichtbar sein – und dennoch entscheidend für das, was dann auf der Bühne passiert.

Vorfreude trifft Spielfreude
Die ehemalige Kirche bringt eine besondere Akustik mit sich: viel Höhe, viel Hall. Für ein Theater eine ganz schöne Herausforderung. Schließlich zählt auf der Bühne jedes Wort, jedes Revolver-Klicken, jeder gehauchte Seufzer. Hinter Verkleidungen, in Deckenbereichen oder an strategischen Punkten sollen deshalb akustische Elemente entstehen, die den Raum „beruhigen“ sollen.
In den kommenden Wochen und Monaten wird sich in der Lindenstraße noch einiges tun. Dann soll aus Planung langsam Realität werden – und aus einem Kirchenraum Schritt für Schritt ein neuer Kulturort für Köln.
