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Förderung der NRW-Stiftung: 300.000 Euro und ganz viel Zukunftsmusik

1. Okt. 2026

Große Unterstützung für einen besonderen Kulturort: NRW-Stiftung fördert das „Theater der Keller in der Kirche“ mit 300.000 Euro – Musik macht schon jetzt hörbar, welches Potenzial in Kirchenschiff und Krypta steckt.

Es gibt Abende, an denen man schon ziemlich gut erahnen kann, wie sich die Zukunft anfühlen könnte. Dieser Abend in der ehemaligen Kirche Heilig Kreuz war so einer: ein großer Scheck, gute Nachrichten vom Bau, Barockmusik im künftigen Foyer, weitere Klänge tief unten in der Krypta – und dazwischen jede Menge Vorfreude auf das, was hier entstehen soll.

Im Mittelpunkt stand zunächst eine Zahl: 300.000 Euro. Mit dieser Summe unterstützt die NRW-Stiftung den Umbau der ehemaligen Dominikanerkirche an der Lindenstraße in Köln zur neuen Heimat des Theater der Keller. Vizepräsidentin Prof. Dr. Barbara Schock-Werner überreichte die Förderurkunde an Dr. Ralph Elster, Vorsitzender des Trägervereins, und Michael Meichßner, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Theaters.

Ein wichtiger Schritt Richtung Bühne

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner machte bei der Übergabe deutlich, warum die NRW-Stiftung das Vorhaben überzeugt hat. Gerade angesichts vieler Kirchengebäude, für die neue Nutzungen gesucht werden, könne das Kölner Projekt beispielgebend sein. „Kirchen umzunutzen ist nicht so einfach, und sie abzureißen ist immer die schlechteste Lösung“, sagte sie. Entscheidend sei daher, gute neue Konzepte zu finden. Das Vorhaben in der ehemaligen Dominikanerkirche bezeichnete sie als Projekt mit „Modellcharakter“.

Besonders beeindruckt habe die Stiftung der behutsame Umgang mit dem bestehenden Gebäude. „Was uns wirklich überzeugt hat, ist das Bemühen der Architekten, dieses mit so wenig wie möglich materiellem Einsatz zu erreichen“, so Schock-Werner. Der Kirchenraum solle weiterhin erkennbar und erlebbar bleiben und gleichzeitig eine völlig neue kulturelle Funktion erhalten.

Für Dr. Ralph Elster ist die Förderung ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zum neuen Theater: „300.000 Euro, das ist ein Riesenschritt. Bei einem Gesamtprojektvolumen von 3 Millionen Euro weiß man, dass das wirklich ein ordentlicher Beitrag ist.“

Und der kommt zur richtigen Zeit. Denn auch an anderer Stelle geht es voran. Das Baurecht für das künftige Theater liegt inzwischen vor. „Wir sind total zufrieden. Wir sind stolz auf die Architekten“, sagte Elster über den zügigen Verlauf des Verfahrens. Erst Ende März waren die Unterlagen eingereicht worden, Ende August lag bereits das Baurecht vor.

Auch die Unterstützung aus der Stadtgesellschaft wächst: Nach Bekanntwerden der Förderung gingen unter anderem eine Großspende über 50.000 Euro sowie weitere 10.000 Euro für das Bauprojekt ein. Das Ziel rückt damit ein gutes Stück näher.

Ein Raum, den kein Theaterplaner erfinden würde

Wie ungewöhnlich diese neue Bühne einmal sein wird, zeigte Architekt Walter Thies anhand des aktuellen Arbeitsmodells. Wo sonst könnte ein Theater schon mit einem rund zwölf Meter hohen Kirchenraum, einer Orgelempore, riesigen Fenstern und einer Krypta planen?

„Es gibt hier Dinge, die absolut ungewöhnlich sind und die man in einem neuen Raum für ein Theater niemals fordern würde“, sagte Thies. Gerade darin liege aber die große Chance. „Was wir damit gewinnen, ist […] ein sehr besonderer Raum“, der durch seine Vielfalt und seine unkonventionellen Besonderheiten immer wieder neue Möglichkeiten eröffne.

Was auf den ersten Blick nach Herausforderungen klingt, eröffnet Möglichkeiten, die ein klassischer Theaterbau kaum bieten könnte. Zwei Säle sollen entstehen, dazu das Foyer im Seitenschiff. Räume können sich verändern, Sichtachsen öffnen und schließen, Tageslicht kann Teil einer Inszenierung werden – oder vollständig verschwinden.

Der ehemalige Sakralraum selbst wird damit beinahe zum Mitspieler. Thies beschrieb Kirche und künftiges Theater sinngemäß sogar als einen eigenen „Darsteller“ oder „Schauspieler“, dessen Gestalt sich immer wieder wandeln könne.

Und genau das war an diesem Abend bereits zu erleben.

Florian Deuter von „Harmonie Universelle“ ließ mit seiner Violine Barockmusik durch den hohen Kirchenraum ziehen. Plötzlich wurde aus dem Rohbau für einige Minuten ein Konzertsaal. Die besondere Akustik, das Licht durch die großen Kirchenfenster und die Musik machten hörbar, welches Potenzial in diesem Ort steckt.

„Wir leisten uns also eine kleine Barockkirche als Foyer“, scherzte Ralph Elster bei der Ankündigung.

Und damit war das musikalische Programm noch nicht beendet. Die Gäste machten sich anschließend auf den Weg hinunter in die Krypta. Dort wartete ein musikalisches Duo und verwandelte auch diesen vollkommen anderen, intimen Raum für einige Minuten in eine kleine Bühne. Paula Götz trug Ausschnitte vor aus dem Theaterstück Marlene Piaf am Klavier begleitet von Gleb Tchepki.

Zurück im Kirchenraum wartete schließlich noch ein weiterer Kulturbaustein auf die Gäste. Im Altarraum war eine Ausstellung mit großformatigen Zeichnungen von Barbara Thies eröffnet worden. Ihre Arbeiten mit Architektur-, Raum- und Bühnenszenen fügten sich dabei beinahe selbstverständlich in die besondere Umgebung ein. Wo künftig Theater gespielt wird, wurde an diesem Abend also schon einmal musiziert, ausgestellt und diskutiert.

Oben die große Weite des Kirchenschiffs, unten die beinahe geheimnisvolle Atmosphäre der Krypta, dazu Musik und bildende Kunst im Altarraum: Schon an diesem Abend zeigte sich, wie unterschiedlich dieser Kulturort einmal klingen, wirken und bespielt werden kann.

Bald schließen sich die Türen

Noch lässt sich der Kirchenraum in seinem heutigen Zustand erleben. Doch nicht mehr lange. In den kommenden Wochen sollen die nächsten Schritte vorbereitet werden, bevor sich die Türen für die eigentliche Bauphase schließen.

Wenn sie sich danach wieder öffnen, soll aus der ehemaligen Kirche endgültig die neue Heimat des „Theater der Keller“ geworden sein. Bis dahin wird geplant, gerechnet, gebaut, gesammelt und immer wieder ausprobiert, was dieser ungewöhnliche Ort alles möglich macht. An diesem Abend jedenfalls war bereits einiges davon zu hören.